Der Müll

"Du wolltest doch den Müll rausbringen?" (Ersatzweise: "...Mit den Kindern spielen" o.Ä.)

Was kann das für eine gefährliche Frage in einer Liebesbeziehung sein. Je nach dem ob sie vom Partner (meist wohl von der Partnerin) auf dem Du oder dem Müll betont wird, ist es eine Einladung zu einer verbalen Schlägerei oder zu einem informativen Gespräch über die Belange des gemeinsamen Haushaltes.

Das kommende Glück

Ich wartete an einem Abend der letzten August-Hitze auf meine S-Bahn, als ein junges Paar die Treppe herunter kam. Beide waren, diesem heißen Sommerabend folgend, leicht gekleidet: Ein bisschen „Hippiresk“ mit weiten Hosen, pastellfarbenen Shirts und solchen Ledersandalen, die wir früher Jesuslatschen nannten. Sie strahlten diesen wunderbaren Beziehungs-Magnetismus liebender Paare aus. Dieses freudige umeinander Kreisen ohne sich zu beengen und ohne sich zu verlieren. Ich sah zwei Menschen sich arglos lieben. 

Wirklich im Herzen berührte mich, wie sie dabei ihren wunderbaren runden Baby-Bauch zu einem Zentrum ihrer Bewegungen machten. 

Sie lachten und waren frei.

In meiner Erinnerung wurde ich wieder 25 und sah meine Freundin mit unserem Babybauch auf mich zukommen. Unsere Unbeschwertheit war ein Geschenk unseres Alters. 

Als es soweit war, führen wir als Paar zur Geburt und kamen als Familie zurück. Alles war anders. Wir waren verwandelt. Wir hatten goldenen Feen-Staub auf unseren Schultern und etwas Helles schien in uns zu leuchten. (Dass unserer Liebe dennoch nicht mehr all zu lange hielt, ist eine andere Geschichte) 

So sah ich dieses junge schwangere Paar, freute mich und wünschte ihnen, aus der Deckung meiner Gedanken alles Glück der Erde. Vielleicht schaffen sie es durch all die, ihnen noch unbekannten Strudel zu kommen, Luft zu atmen und auch nach dem tiefsten Tauchgängen wieder gemeinsam aufzuwachen. 

Das Leben war schön in diesem Moment. In der entspannten Hitze, auf dem Bahnhof.

Zu sich kommen

Abend im März

Das silberne Maisstroh vom vorigen Jahr
weht vergessen und schütter wie bleichendes Haar
auf dunkelnden Äckern im Winde.
Vom Dorfe her singt das Gesinde
die ältesten Lieder von Liebe und Tod.
Es bebt in den Pfützen das Abendrot,
und der Entenschrei schnarrt in den Auen.
Verloren im bebenden blauen
schattigen Schilfe ein Taucher weint.
Da erschreckt sich dein Herz so, als wär es gemeint
und erwartet von jeglichen Dingen.
Und leise beginnt es zu singen. 

 

Christine Lavant

Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte  ISBN (Print) 978-3-8353-1391-0
Herausgegeben und mit Nachworten von Doris Moser und Fabjan Hafner unter Mitarbeit von Brigitte Strasser. 
Wallstein Verlag, Göttingen 2014 www.wallstein-verlag.de

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Erfahrungen machen

"... das eine der überraschenden Erfahrungen in der Erkenntnis liegt, das Verstehen nicht willentlich ist (obwohl es guten Willen dazu braucht), Einsicht nicht erobert werden kann, sondern von allein kommt. Und zwar nicht, wann wir wollen, sondern wann sie will. Gelassenheit und Wartenkönnen zählen daher zu den hermeneutischen Kardinaltugenden. Und auch das Wartenkönnen auf Erfahrung"

S. Kleinschmidt: Gegenüberglück

Die „mit sich selbst“ Sprache - Teil I + Teil II

"Da stehe Ich mir selbst im Weg" - jeder hat diesen Satz schon einmal gesagt und gehört. Er kommt uns selbstverständlich vor. Wenn ich mir etwas Zeit nehme und ihn genau betrachte, habe ich einen ganz normalen Satz vor mir: Es gibt ein Subjekt, ein Objekt und ein Verb. Nur dass all die Subjekte und Objekte ein und die selbe Person sind, nämlich Ich-Selbst. Wer ist dieses Ich und wer ist dieses Selbst, das sich da im Wege steht? Und was ist dann mit mir gemeint?

Es wohnen und agieren wohl verschiedene Protagonisten in meiner Seele. Einer möchte wo hin gehen - das Selbst - und einer stellt sich diesem in den Weg - das Ich. Einer möchte sich auf einen Weg machen, der andere möchte ihm dort im Wege stehen. Außerdem gibt es noch einen, der das alles beobachtet, erzählt und kommentiert. Wer hat jetzt recht, auf wenn soll ich hören? Bin ich das Ich und stehe mir damit im Weg. (Was bedeutet jetzt gleich dieses mir?) Oder bin ich eigentlich das Selbst - aber warum sage ich dann Ich und nicht Selbst zu mir? 

Und wenn ich jetzt frage: Auf wenn soll ich hören? Wem kann ich vertrauen? Wer ist jetzt wieder dieses Ich das fragt? Ist das Ich nicht eigentlich jemand, der dem Selbst im Wege steht und damit ein unangenehm bremsender Zeitgenosse? Oder ist es gut, dass da jemand bremst und mich vor unbedachten Handlungen oder Gedanken schützt? Warum will dieses Ich jetzt auf jemanden hören? Wer da drin meint es gut mit mir? 

Soll ich jetzt gehen oder mir lieber selbst im Wege stehen?

Verwirrt springe ich von Ich zu Selbst und Selbst zu Ich. Nur allein noch mehr Möglichkeiten und Informationen zu haben, hilft mir nicht weiter. Wer ist jetzt wieder dieses Mir? Ich traue mich schon gar nicht mehr Personalpronomen zu benutzen.

Also, wer ist da eigentlich am "inneren Mikrofon"? Wer hat die Hoheit zu allen zu sprechen und mich auch noch nach außen zu vertreten? Wer diktiert diesen Text? Und wer stellt all diese Fragen? 

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Lange habe ich nachgedacht, wie ich diese Verwirrung auflösen kann. Ich bin jetzt so mit mir verblieben - (oder soll ich sagen: wir sind so mit uns verblieben?): Das Ich, das sich selbst im Weg steht, ist wohl die meiste Zeit ein etwas hilfloser Pressesprecher, der von einem Problem berichtet. Das Selbst, das nicht voran kommt, ist ein Parlament, mit all seinen vielen, zum Teil kruden Ideen (Autobahnmaut, wilder Sex mit der Nachbarin oder gut bezahlte Beratertätigkeit). Der Vollständigkeit halber bräuchte ich noch einen Regierungschef, der am Ende entscheidet sich weiter im Weg zu stehen oder diesen frei zu machen. Ich hatte dabei kurz an eine Art inneren König gedacht, das aber schnell wieder verworfen. Ich müsste dann ja wieder auf jemanden hören und könnte nicht mehr machen, was ich will. 

Als letztes, ohne Sie damit noch weiter verunsichern zu wollen: Wenn es schon mit Ich und mir und selbst so schwer ist, wo da doch nur eine Person beteilig ist, wie verwirrend kann es dann erst werden, wenn zwei Ichs, mirs uns selbst beteiligt sind, z.B in dem Satz: „Ich liebe Dich“

 

Bindungssignale - oder du weißt doch, dass ich Dich liebe ...

Die allermeisten Menschen schaffen es nur schwer an einem Kinderwagen vorbei zu gehen ohne wohlwollend hinein zu schauen. Und wenn sie dann hinein schauen, ziehen sie die Augenbrauen hoch, lächeln breit, machen große Augen und sprechen laut und hoch. Sie suchen den Blickkontakt und die Aufmerksamkeit des Babys. Guckt das Baby sie an und lächelt evtl. sogar zurück, freuen sie sich und bekommen ein warmes Gefühl im Bauch. 

Sehr ähnlich verhalten sich auch liebende Partner, wenn sie sich begrüßen. Die Stimmen werden etwas höher, der Blickkontakt ist sehr wichtig. Er wird als merkwürdig empfunden, wenn ein Partner nach Haue kommt und den anderen, schon anwesenden nicht in angemessener Zeit - meist gleich beim Eintreten - zu einem Begrüßungsritual einlädt: "Hi, wir war Dein Tag - was machen die Kinder?" - hingehen, anfassen. 

Findet das nicht statt, sind beide irritiert: "Ist da was? - Haben wir gerade Ärger?" Oft merkt der Nicht-Begrüßte ein Ziehen im Bauch oder eine Enge in den Schultern. Aus den Tiefen seiner Seele kommt ein erstaunlich ernstes Warnsignal. Ein Stimmchen sagt: "Kümmern Dich da drum - hier könnte es um eurer Beziehung gehen"

Babys gegenüber fallen den meisten Menschen diese fest eingebauten und auf der ganzen Welt genau so stattfindenden Begrüßungs- und- Bindungssignale leicht. In der Liebesbeziehung - wenn die große Verliebtheit vorbei ist und anderen Dingen wieder mehr Platz eingeräumt wird (Arbeit, Kinder, Alltag) - wird es manchmal knapp.

Neben Kindern, Job und Alltag kommt bei vielen Paaren gerne folgende Kombination dazu: Ein Partner ist etwas schüchtern und introvertiert und der andere hat eine leichte Bindungsunsicherheit aus seiner Kindheit mitgebracht. Das führt dazu, dass der "Bindungsunsichere" auf Grund seiner unangenehmen frühen Erfahrungen deutliche und klare Bindungssignale braucht, während der Introvertierte genau mit dieser, nach aussen gehenden Deutlichkeit seine Schwierigkeiten hat. 
Dem Introvertierten sind die Liebesbekundungen des Unsicheren evtl. zu viel oder sogar suspekt. Der Unsichere dagegen bekommt immer etwas zu wenig vom süßen Bindungs-Nektar.

Wie ist das bei Ihnen? Woran merken Sie, dass Ihr Partner Sie liebt, auch wenn er es nicht aktiv ausdrückt? 

Nehmen Sie ich etwas Zeit und lauschen Sie in sich: "Wo und wie spüre ich die Liebe?" Machen Sie dies in verschiedenen Lebenssituationen z.B. wenn Sie zusammen fern sehen oder im Restaurant sitzen, bei Familienfeiern oder auch wenn Ihr Partner nicht anwesend ist. 

 

Der, der das alles erleben muss

In vielen Modellen unsere Innenwelt tauchen immer wieder die selben Teilnehmer in verschiedenen Gewändern auf. Es gibt das Ich, das Überich und das Es. Es gibt Introjekte, Projektionen usw. Es gibt die Arbeit mit dem inneren Kind. Aufstellungsarbeit mit unseren inneren Abdrücken real oder nur in uns selbst existierenden Verwandten. Es gibt einzelne Muster und Verhaltensweisen oder auch ein ganzes inneres Team. Die einzelnen Teilnehmer sind dabei vielschichtig mit einander vernetzt - Bekämpfen sich, bilden Allianzen, sind freundlich oder ignorieren einander.

Durch diese Beschreibungen wird unserer Innenwelt überschaubarer und beeinflussbar. Wie sitzen nicht mehr mit dem ganzen Knäul da, sondern beginnen an einzelnen Fäden zu ziehen, Zusammenhänge zu erkennen und Dinge zu sortieren. Wie schaffen neue Möglichkeiten mit unseren Affekten, Mustern und Ideen über die Welt umzugehen. Wir legen die Grundlagen für wirklich neue Erfahrungen.  

Um dies verändern zu können, muss es jemanden geben der bestimmt, wie es werden soll. Ein zentrale Instanz die entscheidet, wie was wohin kommt und auf welche Stimme gehört wird. Jemand der sich "den Hut aufsetzt". 

Dies ist das allerinnerste Ich. Es ist das Ich das, das das alles erlebt. Ein Ich ohne Abwägungen, ohne Hintergedanken und ohne Schuld. Es ist das Ich der Intimität.

Egal wie viele Einwände und Vorschläge unsere inneren Berater haben, egal wie viel Macht unser Überich hat, uns schmerzhaft zu bremsen und in moralisches Handeln zu zwingen. Hinter allem steht unser innerstes Ich und vergisst nicht was es möchte und braucht. 

Nur wenn wir dieses Ich suchen und von dort aus unsere Innenwelt strukturieren, werden wir unserem persönlichen Glück näher kommen. Unser Leben im Jetzt wird uns nicht befriedigen und erfüllen, wenn wir unangenehme Erfahrungen aus unserer Kindheit (z.B. Einsamkeit, Zurückgewiesen werden, Übergriffe) als ordnendem Prinzip die Macht überlassen. 

Nehmen Sie sich etwas Zeit und lauschen Sie in sich: Können Sie dieses innerste Ich ahnen? Können sie es hören? Können Sie es sein?

Wie wäre Ihr Leben, wenn Sie von dort aus auf die Welt zugingen?

 

Lesen Sie dazu auch den Auszug aus meinem Buch: "Vom Umgang mit der Liebe"
Download: Innere Anteile

 

 

"Die Ehe ist kein Umerziehungslager"

Dieser Satz kam mir während einer sich immer wieder an der Erlösung vorbei windenden Paar-Sitzung in den Sinn. Sie war jung und unsicher, im Ausland geboren, streng aufgewachsen und mit der deutschen Kultur nicht ganz im Einvernehmen. Er kam aus der süddeutschen Provinz, etwas scheu, liebte sie sehr und wollte es ihr recht machen. Sie war korrekt, schlau und schnell - er eher leicht umständlich und nicht so "scharfkantig und genau". Entsprechend war sie, von den von ihr empfundenen kleinen Nachlässigkeiten seinerseits schnell ungehalten. Sie versuchte ihre, aus dieser Unterschiedlichkeit resultierenden hoch unangenehmen Gefühle zu vermeiden, in dem sie ihn - mehr oder weniger freundlich - dazu bewegen wollte, alles so zu machen, wie sie es für ihren Seelenfrieden brauchte. Und wie es im Einklang mit ihrer Erziehung, ihren inneren Werten und ihrem besten und besserem Wissen außerdem auch "richtig" sei.

Er wiederum bemühte sich sehr. Leider war er eine Art "Schussel by Natur", gemischt mit einer Portion passiver Aggressivität: "Oh, jetzt hab ich doch schon wieder vergessen deine Lieblings-Marmelade mitzubringen" (das ganze leicht schwäbisch betont). Dies ermöglichte ihm sich, mit einer gewissen Portion gerechter Unschuld, abwechselnd für nicht zuständig oder überfordert zu erklären. "Er bemühe sich doch!". Unangenehme Gefühle erlebte er eher darüber, dass sie so viele Anforderungen an ihn stellte.

Beide waren noch nicht in der Lage "auf eigene Rechnung" mit einander umzugehen. Ihr Unglück lag an seinen Unzulänglichkeiten und sein Unglück lag an ihren Vorwürfen darüber. Jeder hatte dem anderen damit eine Art "Fernbedienung" für sein Wohlergehen untergeschoben. Der andere solle doch endlich auf den richtigen Knopf drücken, dann würde doch alles gut werden. 

Das ganze hatte noch dazu eine merkwürdig selbstverständlich, fast religiös ideologische Wahrhaftigkeit auf beiden Seiten angenommen. Sie war in der Rolle der von Gott gegebenen besserwissenden Erzieherin und er leistete in seiner Rolle tapfer den aufrechten Widerstand eines zu unrecht versklavten. 

Ein Gefühl dafür, hier in einer Rolle gefangen zu sein, existierte auf beiden Seiten noch nicht. 

Die Feststellung: "Die Ehe ist kein Umerziehungslager", bewirkte erst Widerstand, dann Stockung, Innehalten, Erkennen und endlich: lächeln.

Sie ist nicht die Aufseherin und er ist nicht der entmündigte Insasse. Sie muss lernen auch innerlich damit umzugehen, wie er ist, und er muss lernen wirkliche Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Im besten Fall begegnen sich jetzt zwei Lernende, die sich gegenseitig gerne und liebevoll unterstützen.

Nachdem diese stabilen Gipsmasken erst einmal angeschlagen waren, fingen beide an auch in anderen Bereichen ihre jeweiligen "festen Überzeugungen" zu hinterfragen. Sie konnten so viele ihrer inneren So-ist-Es-Imperative durch Bewegung und Begegnung im Jetzt, korrigieren oder ersetzen.

Nicht die Zeit vergeht - wir vergehen ...

Dieser Satz schwirrt mir seit einigen Tagen durch den Kopf - ich habe ihn aufgeschnappt, im Radio, im Netz - ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur: Er geht nicht mehr weg. Er windet sich durch meine Gedanken und verändert meinen Blickwinkel.
Wenn die Zeit verginge, würde ich mein Leben, meine Gefühle von Außen durch die vergehende Zeit hindurch sehen - wenn ich vergehe, mich verändere, entwickle, blühe, am Ende auch welk werde, dann verlasse ich den oft besserwissenden und besserwisserischen Beobachter und erlebe mein Sein. Ich fühle mich. Der Satz führt mich direkt in mein Gewahrsein. Der Blick auf die Uhr dagegen - der Blick auf die äußere Bestimmung - führt mich oft aus dem Erleben, führt mich aus dem Jetzt in das Nachher und Dann. 

Perspektivwechsel - tiefenpsychologisch: Überstigsfähigkeit - erweitert unsere Möglichkeiten. Wir können die Dinge außen und die Dinge innen anders verknüpfen und ihnen andere Bedeutungen zuweisen. Wir können so mancher alten Erfahrung und daraus resultierendem Mustern ein schnelles Schnippchen schlagen. Mich interessiert am Meisten der innere Perspektivwechsel von Beobachter zu Fühlenden. Das Ich wandert aus der Wahrnehmung der Fakten in das Erlebende Selbst: Wir sind verbunden. Begegnung der Seelen - für mich einer der zentralen Wirkfaktoren von Psychotherapie - kann nur zustande kommen, wenn beide mit sich selbst im Erleben sind. Vielleicht ist es sogar so, dass die Therapie in dem Moment ihrem Ende zugeht, wenn Klient und Therapeut beginnen sich ersthaft und nachhaltig zu begegnen. Jemandem begegnen zu können, heißt bei sich sein zu können. Bei sich sein zu können, heißt ausreichend mit dem eigenen Selbst befreundet und bekannt zu sein. Mit dem eigenen Selbst im Reinen zu sein, heißt nicht mehr an sich zu leiden.

Probieren Sie folgende Übung:
Machen Sie zwei, drei normale Kniebeuge. Machen Sie jetzt wieder einige Kniebeuge, stellen Sie sich diesmal dabei vor, dass Sie wenn Sie nach oben gehen nicht ihren Körper nach oben drücken, sondern die ganze große Erde unter Ihren Füßen diesen halben Meter nach unten drücken. Wenn Sie in die Knie gehen, ziehen Sie diese ganze schwere Erde einen halben Meter mit Ihren Füßen nach oben. Sie bleiben wo Sie sind. Nicht Sie bewegen sich rauf und runter, die Erde bewegt sich.

Viel Spaß
Fabian Lenné 

 

Das Glück kommt über viele Wege - auch durch den Körper

In Zeit-Online gibt es einen Artikel über die Wirkung des Körpers auf unser Stimmung: Bauch rein, Brust raus, gute Laune! Der Artikel fasst den aktuellen Stand der Forschung dazu gut zusammen: Wie wir mit unserem Körper umgehen hat eine direkte Wirkung auf unser Gefühl. Auch kleine Veränderungen z. B. lächeln und sich aufrichten können schnell und zuverlässig als Stimmungsaufheller wirken. 
Meine Thai-Chi Lehrerin sagt gerne, wenn es wirklich in den Sehnen zieht und die Bewegung ganz unmöglich scheint: "Bitte lächeln" - und es wird leichter. Eine meiner Klientinnen hatte gegen schlechte Gefühle ein sehr einfaches Rezept: Aufräumen und sich was gutes zu Essen machen.
Wir gehen zu Massage und in die Therme, wir trinken Wein oder gehen Joggen - es sind viele kleine Möglichkeiten, wie wir uns über unseren Körper selber zu mehr Wohlbefinden verhelfen. Aus der Körperpsychotherapie und auch dem Yoga ist schon lange bekannt, dass wir über unsere Atmung unsere Stimmung beeinflussen können: Atmen wir langsam und tief, kommen wir in Ruhe und Verarbeitung - Atmen wir schnell und heftig, steigt die Aggression und wir werden aktiv.
Nicht zu vergessen alles was mit Körperkontakt zu tun hat: Streicheln, Liebkosen, Sexualität, Halt auf der einen Seite - Kraft, Schubsen, Gewalt auf der anderen Seite, beeinflussen unsere Stimmung erheblich.

Ich möchte Sie mit diesem Beitrag anregen, inne zu halten und in Ihren Körper zu lauschen: Wie fühlt es sich da drinnen an? Bin ich hart oder weich? Suche ich Nähe oder Freiheit? Habe ich Hunger? Bin ich müde und erschöpft oder habe ich eine Kraft in mir die sich ausleben möchte? 

Was können Sie - genau jetzt - gutes für sich tun?

Herzlichst
Fabian Lenné

Wäre es mit einem neuen Partner nicht viel einfacher?

Liebe Leser,
letzten Sonntag im Flieger zu einem Vortrag und Workshop in Stuttgart kam ich mit meinem Nachbarn ins Gespräch. Als wir über unsere Berufe sprachen, wurde er hellhörig. Er hatte sich vor einen Jahr von seiner Frau getrennt und war nun auf dem Weg zu seiner neuen Partnerin. „Immer noch sehr aufgeregt“, wie er mir versicherte. Auf meine Frage, was den nun anders, besser oder leichter sei, antwortete er, dass manches z.B. die Absprachen über den Alltag einfacher seinen. Auch der Sex sei einfacher und tiefer - lächelnd fügte er hinzu: „Aber das ist wohl am Anfang immer so.“ Nach leichtem Zögern ergänze er: „Aber doch, da gibt es eine neue Tiefe in der Körperlichkeit, die ich mit meiner Ex-Frau so nie erreicht hatte.“ Was sich gar nicht verändert hat — sogar noch ein bisschen schlimmer geworden sei, ist ein unangenehmes Gefühl von Einsamkeit in seiner Brust, das ihn immer mal wieder morgens beim Wachwerden überkommt. Er hatte gehofft, dieses Gefühl würde mit der neuen Liebe endlich verschwinden.

Er ist ein schönes Beispiel dafür, dass wir nicht wissen können, ob ein anderer Partner uns insgesamt zu mehr Glück verhilft. Wir nehmen unsere individuellen Möglichkeiten mit und stellen sie neu in Beziehung zu einem anderen Menschen. Es ist wie bei einem Schachspiel: Meine Möglichkeiten beeinflussen das Spiel und das Spiel beeinflusst meine Möglichkeiten. Mit einem anderen Partner spiele ich ein anderes Spiel. Spiele ich gegen einen Großmeister, wird er das Spiel komplett bestimmen können. Auf eine Liebesbeziehung übertragen heißt das: haben ich oder mein Partner ernstere psychische Probleme werde ich oder er damit die Atmosphäre unserer Beziehung dominieren.

Interessant ist es mit dem Partner darüber ins Gespräch zu kommen: Was von unserem Chaos erzeugen wir gemeinsam und wo sind die Stellen bei jedem von uns, an denen er vielleicht spezielle Hilfe braucht, die unsere Liebesbeziehung nicht leisten kann?

Herzlichst
Fabian Lenné 
 

Kommunikation als Lebenskunst

Liebe Leser,

gerade lese ich auf meine Arbeitswegen in der Berlin S-Bahn das Buch: Kommunikation als Lebenskunst von B. Pörksen und Friedemann Schulz von Thun. 

Schultz von Thun hat mit seinen Klassikern: Miteinander Reden in den 80ern ein Grundlagenwerk der Kommunikation geschrieben oder sogar geschaffen. Sein Vier-Ohren-Model ist aus der modernen Kommunikationslehre nicht mehr weg zu denken und fester Bestandteil oder Hintergrund auch meiner Arbeit mit Paaren.

Während ich die drei Bände: Miteinander Reden immer etwas zu ausführlich fand mit zu viel Redundanz, ist das neue Buch so etwas wie die Quintessenz seiner Gedanken. Im Interview mit Pörksen entwickelt er sehr anschaulich und kompakt seine Ideen und Bilder. Seine Arbeit wird durch seine persönliche Stellungnahme gut nachvollziehbar und seine zutiefst menschliche Blickrichtung hinter seinen Techniken und Ideen wird fühlbar. 

Ich bin jetzt auf der Hälfte und freue mich auf die zweite. Der einzige Wermutstropfen sind die immer wieder etwas begrenzten und "Ich-weiß-auch-was-tolles,-seht-her-Fragen" von Bernhardt Pörksen.

Jetzt muss ich los, die S-Bahn kommt ...

Herzlichst

Fabian Lenné

Der Blog

Liebe Leserinnen und Leser,

hier in diesem Blog werde ich immer wieder von interessanten Begegnungen und "Bewusstwerdungen" aus meiner Arbeit mit Paaren und Einzelklienten berichten. Ab und an werde ich auch kleine Übungen zur Selbstwahrnehmung veröffentlichen. 

Viel Spaß und ich freue mich über Rückmeldungen

Herzlichen Gruß

Fabian Lenné

 

Liebe ist wichtig

Gestern auf dem Nachhauseweg von der Praxis, wartete ich auf die U Bahn und beobachtete einen jungen Mann, der offensichtlich große Probleme mit seiner Freundin hatte. Er schrie und flehte abwechselnd in sein Handy. Drohte ihr und lockte sie, legte immer wieder auf und rief sie erneut an. 

Hinter all seiem Ärger wurde immer deutlicher seine große Angst verlassen zu werden sichtbar. Als unfreiwilliger Zuschauer wurde mir unmissverständlich vor Augen geführt, wie zentral das Dazugehören für uns Menschen ist.