Was heute Tinder ist, war frühere die Disco

Ein Interview mit mir in Zeit Magazin Online. Nach drei Tagen fast 100.000 Aufrufe. Das ist sehr aufregend für mich und macht mich auch stolz.

https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2019-03/paartherapie-liebe-online-dating-beziehungen

Auf der Zeit Online Seite ist’s schöner dargestellt.

Paartherapie"Was jetzt Tinder ist, war früher die Disko"

Der Kapitalismus und das Internet haben die Liebe kaputt gemacht? Nein, sagt der Paartherapeut Fabian Lenné. Vielmehr gebe es heute einfach weniger kaputte Beziehungen. Interview:  Tomasz Kurianowicz

30. MÄRZ 2019, 16:32 UHR

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Die Soziologin Eva Illouz behauptet, die Liebe sei tot. Internetdating und Kapitalismus hätten sie zerstört. Der Paartherapeut Fabian Lenné hält dagegen: In 20 Jahren Therapiearbeit habe er festgestellt, dass immer mehr Menschen gute Beziehungen leben – auch dank des Internets.

ZEITmagazin ONLINE: Die Liebessoziologin Eva Illouz schreibt, dass das Internetdating kapitalistischen Kriterien folgt und dazu führt, dass der Mensch auf dem Datingmarkt zu einer Ware verkommt. "Die moderne Sexualität ist", sagt sie, "in ihrem Kern quantitativ: Sie zielt auf Akkumulation, wechselnde Reize, Neuigkeit, Überfluss." Verstehen Sie die Kritik?

Fabian Lenné: Das wird immer so gesagt. Aber ich glaube, das Leben läuft anders: Was jetzt Tinder ist, war früher die Disko. One-Night-Stands gab es schon immer. Dass es eine Experimentierphase im Leben eines Menschen gibt, in der man Erfahrungen sammelt mit verschiedenen Partnern, ist völlig normal. Als Therapeut kann ich eine zunehmende Bindungsangst nicht bestätigen. Ich würde eher sagen: Es existiert ein differenzierterer Umgang mit Beziehungen als früher. Man ist anspruchsvoller geworden. Und die Bindungsangst wurde früher nur nicht so offen angesprochen, weil viele in ihren festen Rollen feststeckten. 

ZEITmagazin ONLINE: Sie meinen – man hat über sein Unglück einfach nicht oder nur sehr wenig gesprochen?

Lenné: Genau. Man hat jemanden kennengelernt, hat sich ein wenig verliebt, die Frau wurde schwanger, man bekam ein Kind, hat geheiratet und ist auf dieser Basis zusammengeblieben. Brüchige und dysfunktionale Beziehungen gab es zuhauf. Diese Beziehungen wurden aber nicht so schnell aufgelöst, weil man eben einem enormen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt war. Man hatte Angst vor der Meinung der Nachbarn, der Kirche, der Gesellschaft. Es gab ja sogar noch das Schuldprinzip in der Ehescheidung.  

Fabian Lenné, Jahrgang 1960, arbeitet seit 20 Jahren als Paartherapeut in Berlin. Er ist Autor des Buches "Vom Umgang mit der Liebe". Lenné ist Ausbildungsleiter am Institut für Integrative Paarentwicklung. © privat

ZEITmagazin ONLINE: Was ist denn mit dem umgekehrten Extrem? Jetzt gibt es Paare, die nach einem Jahr Beziehung weniger Sex haben und sich sofort denken: "Irgendetwas stimmt nicht! Trennen wir uns!" 

Lenné: Sobald die Rollenklammer wegfällt und Sex frei wird, bleiben wir nicht zusammen, weil wir es müssen, sondern weil wir es wollen. Ohne Druck. Der Anteil an Paaren, die zusammen sind, weil sie sich das gut überlegt haben, ist heute viel größer als vor 30 oder 50 Jahren. Davon bin ich überzeugt. Damals hat man bei Paarstatistiken dysfunktionale Paare mitgezählt, die nicht freiwillig zusammen waren, sondern wegen des gesellschaftlichen Drucks. So mag es gewirkt haben, dass es mehr glückliche Paare gab. Heute sind die Menschen mutiger und emanzipierter und nicht mehr so abhängig voneinander – sozial und finanziell. Sie suchen nach einem neuen Partner, wenn sie merken, dass es nicht mehr passt. Das muss nicht falsch sein. 

ZEITmagazin ONLINE: Das ist aber doch eine Entmythisierung des Liebesbegriffs! 

Lenné: Ich glaube nicht, dass der sich ändert. Früheste Stellen in der Bibel handeln von einer Liebe, die nach den gleichen Kriterien funktioniert wie heute. Das Unglaubliche, das einem widerfährt, das Bedeutsame, diese ganzen Vergleiche, dass die Liebe einen trifft wie ein Schlag – das war damals so, und das ist heute immer noch so. Der Liebesbegriff impliziert, dass die Liebe, die entsteht, exklusiv und für immer ist. Dass es dann am Ende doch nicht so exklusiv und doch nicht so für immer ist, ist eine andere Frage. Aber das Grundprinzip hat sich nicht verändert. Alles andere ist nur Kultur. 

ZEITmagazin ONLINE: Eva Illouz' großer Einwand ist, dass die gesellschaftlichen Bedingungen – also der Kapitalismus – den Menschen zur Ware degradieren. Das wiederum würde sich auf die Art und Weise übertragen, wie wir unsere Beziehung leben, wie wir unsere Partner auswählen: etwa nach Aussehen, nach Fitness, nach dem Gehalt. Bestreiten Sie, dass das zugenommen hat?

Lenné: Haben wir das vor 2.000 Jahren nicht auch getan? Nach Aussehen, nach Leistung, nach Fitness ausgewählt? Wann war das anders? Es gibt ein schönes Buch, da geht es um Aggressionen in Kulturen aus der Steinzeit. Schon da hatten die besseren Jäger bei der Wahl der Partnerin einen leichten Vorteil: Sie waren stärker und daher begehrter. Was also bei uns die Kreditkarte ist, war dort die körperliche Stärke. Auch da ragt etwas heraus. 

ZEITmagazin ONLINE: Es gibt aber graduelle Unterschiede zwischen den Auswahlkriterien in der Steinzeit und den heutigen Bedingungen im Kapitalismus. 

Lenné: Na ja, alle Kulturen haben etwas gemeinsam: Menschen suchen nach der Wahrheit, nach der wirklichen Begegnung, nach dem Transzendenten. Sie wollen sich in einem größeren Zusammenhang begreifen. Jetzt ist die Frage: Was gehört zu einer Person wirklich dazu? Und was nicht? Gehören die neurotischen Bindungsangstsysteme zu einer Person? Oder sind die am wenigsten Teil der Persönlichkeit?

ZEITmagazin ONLINE: Sagen Sie schon – was ist die Antwort?

Lenné: Man liebt das Innerste. Wie bei einem Baby. Man liebt es ja nicht, weil es einen vollkackt und einen nicht schlafen lässt. Man liebt es, weil es das Baby ist. Zu mir kommen so viele Menschen, die Interesse am Eigentlichen haben. Das muss man würdigen. Man könnte sagen, dass vor 50 Jahren die Rollenbilder die Ablenkung vom Wesentlichen waren. Und heute sind es die digitalen, kapitalistischen Dinge. Aber der Kern, das Interesse an einer wesentlichen Begegnung, ist heute so präsent wie immer. Eva Illouz kritisiert den Kapitalismus, aber sie zeigt nicht auf, wann die Bedingungen anders waren. 

ZEITmagazin ONLINE: Hat sich also nichts verändert am Liebesbegriff in den letzten Jahrzehnten?

Lenné: Was sich ändert, ist die Ausgestaltung der Beziehung. Wenn ich mit meinen Freunden aus dem Iran spreche, dann merke ich, dass die genauso lieben wie wir. Für die ist die Liebe genauso schmerzvoll und schön wie für uns. Die ringen genauso um Nähe und Intimität, Erkenntnis und Wahrheit. Es sind nur andere Formen. Eine andere Praxis als bei uns, aber das gleiche Bedürfnis.

ZEITmagazin ONLINE: Sie sind seit 20 Jahren Paartherapeut: Haben sich denn die Themen, die Sie in Ihrer Praxis mit den Patienten besprechen, geändert?

Lenné: Eigentlich nicht. Ein großer Teil der Paare, die zu mir kommen, sind Paare mit kleinen Kindern. Die haben das klassische Übergangsproblem. Vorher konnte die Frau oder der Mann ja immer gehen. Mit einem Kind sieht die Situation anders aus. Man kann nicht einfach aufstehen und sich verabschieden. Da bekommen es viele mit der Angst zu tun.

ZEITmagazin ONLINE: Verändert das Kind so viel?

Lenné: Die Beziehung ohne Kind ist eine freiwillige Sache. Man kann immer raus aus dem System. Mit Kind ist das anders. Man wird konfrontiert mit unglaublichen Abhängigkeitsgefühlen und viel Überlastung. Die ersten eineinhalb Jahre schläft das Kind vielleicht schlecht, ist etwas krank – das verursacht Stress. Alles richtet sich aufs Kind, schließlich sind die ersten eineinhalb Jahre zentral für das Glück dieses kleinen Menschen. Es ist also richtig, dass man die ganze Zeit hinguckt und sich selbst zurücknimmt. Wenn man aber nicht ganz so gefestigt ist und wenn dann noch Eifersucht ins Spiel kommt und fehlende Sexualität, dann kann das ein Paar ziemlich auf die Probe stellen. Das betrifft gerade die Sexualität: Die Frauen haben in der Phase nicht so richtig Lust auf Sex. Sie kümmern sich eher ums Kind. Die Männer haben weiterhin Lust. Das führt zu Konflikten.

ZEITmagazin ONLINE: Was für einen Rat geben Sie?

Lenné: Da kann man eigentlich nicht viel machen; das muss man aushalten. Im Grunde ist die Aussage: Eineinhalb Jahre abwarten! Was hilft, ist eine Annahme der verschiedenen Bedürfnisse. Ich gebe mal ein Beispiel: Wenn der Mann Sex will, muss die Frau keinen Sex mit ihm haben, wenn sie nicht will. Aber es hilft, wenn sie ihren Partner spüren lässt, dass sie ihn versteht. Dadurch fühlt sich der Mann wiederum ernst genommen und in seinen Bedürfnissen angenommen. Umgekehrt gilt das Gleiche.

ZEITmagazin ONLINE: Was ist denn der zweite wichtige Punkt bei der Paarberatung?

Lenné: Die Fähigkeit zur Intimität. Mit Intimität meine ich nicht Sexualität, sondern das Gefühl, sich zu begegnen. Dass das Subjekt des einen mit dem Subjekt des anderen in Verbindung kommt, dass es ganz persönlich wird. Das ist der zentrale Blickpunkt. Da habe ich viel mit Bindungsstörungen und fehlendem Selbstwert zu tun. Die Leute trauen sich aus irgendwelchen Gründen nicht aneinander heran. Sie öffnen sich nicht wirklich. Man bleibt sich dann immer ein wenig fremd und kommt nicht wirklich in eine intime, weiche, zugewandte, herzliche Verbundenheit. 

ZEITmagazin ONLINE: Sind Sie überzeugt davon, dass jeder Nähe finden kann?

Lenné: Die meisten Leute kriegen das hin. Es ist auf alle Fälle das, was alle anstreben. Das Belohnungssystem im Hirn springt massiv an – bei Dingen, die uns anderen Leuten näherbringt. Wenn wir einer alten Dame über die Straße helfen, dann freuen wir uns. Wenn wir Freunde einladen und die sitzen mit uns zusammen, wir bekochen sie und erfreuen uns an der gemeinsamen Zeit, dann passiert etwas ganz Schönes in uns. Wir werden weich, die Zeit verschwindet. In den ersten zwei Stunden guckt man noch auf die Uhr – und plötzlich sind sechs Stunden um. Es gibt einen Flow, man fängt an, persönlichere Sachen zu besprechen. Man fühlt sich glücklich und verbunden.

ZEITmagazin ONLINE: Es entsteht Nähe und Intimität?

Lenné: Ja. Das ist übrigens mein Lieblingsthema. Auch bei den Paaren mit Kind ist es das zentrale Ding. Je besser die Leute in diese Intimität kommen können, desto weniger Anleitung brauchen sie für ihre Beziehung. Wenn ich weich werden kann und meine Frau auch und wir streiten, dann kommen wir selber drauf, wie wir sprechen müssen, damit Kommunikation klappt. Diese Fähigkeit zur Intimität ist nicht kleiner oder größer geworden in den vergangenen 20 Jahren. Jede Generation muss sie neu üben.

Wie es gehen kann

„Psychotherapie oder auch Paartherapie ist ein Raum in dem Sie sich trauen dürfen auch Dinge zu fühlen und Gedanken zu denken, an die Sie sich draußen mit Ihrem Partner nicht ran trauen. Wir haben alle diese unerledigten Gefühle und Bedürfnisse, die wir gerne nach innen weg drängen. Aber genau diese Dinge sind es, die uns unglücklich machen, wenn wir sie nicht fühlen und denken. 

Paartherapie ist auch ein Raum in dem Sie beginnen können über das „da drinnen“ mit Ihrem Partner zu sprechen. Aussprechen hilft. Miteinander sprechen hilft noch mehr.

Gemeinsam werden wir herausfinden und üben, wie das miteinander Sprechen so geht, dass Sie sich vom Partner gehört fühlen und Sie Ihrem Partner zuhören können.“

Wer kennst es?

„Irgendwie scheint der Herrgott – oder wer auch immer sich das ausgedacht hat – das mit dem Sex und der Bindung nicht zu ende gedacht zu haben. Einerseits liebe ich meine Frau und genieße unsere Familie,–  andererseits leide ich bis hin zu körperlichem Schmerz unter unser kläglich seltenen Sexualität. Ich bin freiwillig treu, ich begehre doch nur meine Frau. Ich weiß gar nicht wie ich mich in ihrer Nähe aufhalten kann ohne sofort rattenscharfzu werden. Habe sie schon gebeten sich was anzuziehen. Alles youporngucken nützt nichts. Immerhin bekommen wir ab und an Gefälligkeits-Sex ist hin. Aber das kann es ja auf Dauer nicht sein.“

 

„Ich liebe meinen Mann. Eigentlich genieße ich seine Berührungen und seine Fürsorge. Die kleinen Kinder sind mir wichtig. Meine Aufmerksamkeit gehört eher ihnen. Meine Arbeit. Meine Freundinnen. Ich bin froh, wenn ich alles gut unter einen Hut bekomme. Meine Sexualität ist da auch noch irgendwo. Ich weiß nicht, wie ich jetzt auch noch bei all den vielen Eindrücken scharfwerden soll. Wenn wir ein bisschen dafür Zeit hätten, ist er schon da und willig. Ich habe schon Angst vor seinem dicken Schwanz der mir sofort entgegen springt. Und seine Hände sofort an meinen Brüsten. Sex geht gar nicht, wenn er auch noch auf meinen Zettel für den Tag stehen muss. Gefälligkeits-Sex bekomme ich ab und an noch hin – und das auch gerne. Aber das kann es ja auf Dauer nicht sein.“

Sich selbst erobern

Das Bewusstwerden des Wunsches, der dazugehörigen Phantasien und Gefühle sowie der kognitiven, körperlichen und affektiven Reaktionen den Über-Ichs. Als nächster Schritt auch das Zulassen des Wunsches. Die Sehnsucht spüren. Ob er erfüllbar ist oder nicht, ist dabei erst einmal keine Frage. Nur wenn ich weiß, was ich am Ende möchte, kann ich meine Schritte in die richtige Richtung lenken. Wenn ich König der Welt wäre oder wenn ich 20 Millionen Euro gewonnen hätte? Ich nichts mehr müsste, mir keiner kleinliche Vorschriften machen könnte. Was würde ich mir von meinen Mitmenschen erhoffen? Was würde ich mir für mich selbst erhoffen? Was würde ich dann von mir selbst erwarten? Wenn ich mir erlaube meine äußere und innere Welt durch diese Brille kindlicher und angenehm naiven Größenphantasien zu betrachten, ohne dabei zu vergessen, dass es eben nur eine Brille, ein Hilfsmittel ist, dann eröffnen sich mir ein Stück weiterer meine verborgenen Sehnsüchte. Wovon möchte ich träumen?

Handlung und Person Trennen

Im Alter von fünf bis sieben Jahren machen wir uns zum ersten Mal auf den Weg unabhängig zu werden. Wir beginnen die Welt nicht mehr als einen „großen Klumpen“ zu begreifen. Wir beginnen Ironie und Zweideutigkeiten zu verstehen. Später auch Zynismus. Wir entdecken, dass unsere Eltern zwei Menschen sind, die eine von uns unabhängige Beziehung haben, zu der wir keinen Zutritt haben. Wir beginnen in dem Alter „Beste FreundInnen“ zu haben. Beziehungen zu denen kein anderer Zugang hat. In der Pubertät findet das seine Zuspitzung: Die Eltern werden „so was von unwichtig“. Am liebsten wären wir schon Erwachsen und frei unser Verbindungen (Bindungen) selbst zu wählen und zu gestallten.

Gleichzeitig wächst ab dem sechsten Lebensjahr unsere Fähigkeit eine Beziehung zu uns selbst zu führen. Unser mehr oder weniger stabiles Urvertrauen aus frühen Kindertragen verschmilzt mit den gelernten Regeln aus der „Trotzphase“ zur Grundlage unseres Selbstgefühls. Wenn unsere Eltern oder andere Erwachsene es uns vorgemacht haben, beginnen wir eine lebendige Beziehung mit unserer Innenwelt. Wir spüren unsere Wünsche und regulieren unsere Gefühle. Wir verhandeln mit der Umwelt über das was wir haben wollen und das was wir geben können. Das „da Draußen“ wird „das da Draußen“ und „das da drinnen“ ist „das da drinnen“. Wir lernen zu regulieren, was von dem „da draußen“ uns „da drinnen“ berühren darf und was nicht. Jede Berührung verändert uns – deshalb versuchen wir sehr genau auszuwählen, was wir wie weit nach innen lassen.

Wenn wir Defizite aus den Phasen davor habe (Regulation oder Selbstwert) oder wir von unseren Eltern nicht in diese „kindlich glückliche Unabhängigkeit“ geleitet wurden (Partnerersatz, emotionale Übergriffe), werden wir „Drinne“ und „Draußen“ nicht gut auseinanderhalten. Kritik an unserem Umgang mit der Welt (Müll nicht runtergebracht, zu wenig Lust auf Sex) werden wir zu weit in unsere Innenwelt lassen. Aus: „Müll nicht runter gebracht“ wird dort dann: „ich bin ein unzureichender Mensch“ Wer würde dann noch zugeben können, er hätte tatsächlich vergessen den Müll runter zu bringen?

Wenn du wüsstest, wer ich wirklich bin

Paar-Samstag 18.02.2017
Information und Anmeldung unter: Paar-Samstag 18.03.2017
 

Strömungen
Bin ich bei mir? Ja – sage ich. Aber am Ende habe ich nicht bekommen, was ich will. Weiß ich noch, was ich will? Wenn der Andere im Raum ist? Einfach, wenn wir das gleiche wollen. Aber, mit Unterschieden? Gibt es überhaupt richtige Unterschiede? Ich gehe vorsichtshalber so weit weg, bis alles egal ist. Will den anderen nicht besitzen, bin nicht eifersüchtig. Glück gehabt. Werde auch nicht besessen. Ist einfach. Macht mein Herz leer. Hoher Preis.
 
Ich vergesse was ich wollte. Ist nicht so wichtig. Brauch ich eigentlich gar nicht. Na ja – vielleicht später. Wir machen Sex. Dann ist auch gut. Oder ich ziehe mich zurück. Kann kaum sagen, was ich brauche. Komm nicht ran. Er muss sieben Forderungen erfüllen – auf jeden Fall –, bis ich ihn wieder ranlasse. An meine Seele und „da unten“. Es bleiben immer sieben. Macht mein Herz leer. Hoher Preis.
 
Alles Mögliche mache ich, oder mach ich mit. Nützt aber nichts. Keine Hingabe. Langeweile, nicht ganz meins - ein Bisschen schmerzhaft, vielleicht. Stell Dich nicht so an.
 
Darf ich bleiben, wenn ich wirklich zu Dir komme?
Wird es mich zerreißen - oder wird es mich erlösen?

Märchen?

Neulich sprach ich mit einem Wiedergeborenen. Er hatte seinerzeit Selbstmord gemacht um unserer Welt zu entkommen. Die Idee, dass es "Dort" besser sei, hatte ihn nicht mehr losgelassen und so hatte er es ausprobiert. Es sei aber "Dort" noch viel unangenehmer, versicherte er mir glaubwürdig. Und er sei froh jetzt wieder bei uns zu sein. Das sei alles ein großer Schwindel mit dem Frieden im Jenseits. Das einzige was wirklich Sinn mache, sei das Leben.

Bei sich bleiben - oder wenn du wüsstest, wie ich wirklich bin

Paar-Samstag am 18.03.2017


Intimität und Begegnung werden tiefer und wahrhaftiger, je vollständiger wir uns einlassen können. Lassen wir einen Teil der Impulse weg – weil: passt grad irgendwie nicht so –, bleibt es fahl und zu hart.
In diesem Workshop geht es um unsere ganz eigenen Impulse und Wünsche. Wie können wir diese spüren und wie bringen wir sie ein? Was befürchten wir, wenn wir uns zeigen. Was machen wir mit „unlösbaren“ Gegensätzen.

Wir beginnen den Workshop mit einem Spaziergang im Wald - lassen den Alltag zurück. Sie beginnen sich zu öffnen - kommen auf leichte Art in Kontakt. Nach einem gemeinsamen Frühstück in der Praxis - jeder bringt eine Kleinigkeit mit - haben wir den Tag Zeit uns mit dem Thema Bei sich bleiben zu befassen. In der Runde, in Paaren und kleinen Gruppen. 
Beginn 8:30 - Ende gegen 19Uhr.

Ich freue mich auf eure/Ihre Teilnahme

Herzlichen Gruß
Fabian Lenné 


Information und Anmeldung unter: Paar-Samstag 18.03.2017
 


Strömungen
Bin ich bei mir? Ja – sage ich. Aber am Ende habe ich nicht bekommen, was ich will. Weiß ich noch, was ich will? Wenn der Andere im Raum ist? Einfach, wenn wir das gleiche wollen. Aber, mit Unterschieden? Gibt es überhaupt richtige Unterschiede? Ich gehe vorsichtshalber so weit weg, bis alles egal ist. Will den anderen nicht besitzen, bin nicht eifersüchtig. Glück gehabt. Werde auch nicht besessen. Ist einfach. Macht mein Herz leer. Hoher Preis.
 
Ich vergesse was ich wollte. Ist nicht so wichtig. Brauch ich eigentlich gar nicht. Na ja – vielleicht später. Wir machen Sex. Dann ist auch gut. Oder ich ziehe mich zurück. Kann kaum sagen, was ich brauche. Komm nicht ran. Er muss sieben Forderungen erfüllen – auf jeden Fall –, bis ich ihn wieder ranlasse. An meine Seele und „da unten“. Es bleiben immer sieben. Macht mein Herz leer. Hoher Preis.
 
Alles Mögliche mache ich, oder mach ich mit. Nützt aber nichts. Keine Hingabe. Langeweile, nicht ganz meins - ein Bisschen schmerzhaft, vielleicht. Stell Dich nicht so an.
 
Darf ich bleiben, wenn ich wirklich zu Dir komme?
Wird es mich zerreißen - oder wird es mich erlösen?



Termin
Sollten Sie/du Interesse haben aber der Termin nicht passt, schreiben Sie mir und nennen Sie mir Ihre terminlichen Möglichkeiten. Sollten ausreichend Paare zu einem anderen Termin besser können, verlege ich evtl. den Workshop entsprechend.

Für wen
Der Workshop ist für Paare die Klärung und Vertiefung ihrer Beziehung suchen. Für hoch verstrittene Paare ist er nicht geeignet.

Interesse und Anmeldung
Wenn Sie an einem Paar-Samstag teilnehmen möchten, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung. Wir klären dann gemeinsam ob und wie es für Sie passt. Weiter Informationen finden Sie auf meiner Web Site unter: Paar-Samstag

Kosten
100.-€/Person
Teilnehmerzahl: 5 -8 Paare

Weitere Hinweis Paar-Samstage in 2017
Weitere Workshops sind geplant für 06. Mai, 08. Juli, 23. September und 18. November. 
    

 

 

Umgekehrtes Karma - ein nicht ganz ernst gemeinter Versuch einer Religion

Viele meiner Klienten leiden an einem inneren Leistungsdruck. Sie haben ganz hinten in ihrem Geist den Satz: "Wenn du nur genug Leistung bringst, wirst du endlich geliebt und angenommen werden". Das Ganze ist hoffnungslos und zum scheitern verurteilt. Aber im jeweiligen Moment unüberwindbar. 

Der Karma Begriff erinnert mich - in meinem auf gelegentliche religiöse Gespräche und wikipedia beschränktem Verständnis (wirklich Wissende mögen mir verzeihen, es ist für einen guten Zweck)  - an genau diesen Leistungsdruck: "Mache jetzt alles richtig sonst wirst du immer und immer wieder geboren. Kommst nie aus der Welt raus ins Nirvana hinein". Ich las mal von der Buddhistischen "Vier-Füssler-Lösung", was eine Umschreibung für Selbstmord ist. Streng verboten (in wohl allen Religionen) und die Buddhistische Strafe ist die Wiedergeburt als niedere Inkarnation z.B Hund oder Katze - Vierfüssler eben. 

Da mir scheint, dass solche Ansagen eher den Leistungsdruck erhöhen als (inneren) Frieden zu schaffen, habe ich den Karma Gedanken abgewandelt: In meiner "Religion des umgekehrten Karmas" gehe ich davon aus, dass alle Menschen es in diesem Leben so gut wie möglich machen. Sie bemühen sich. Sie ringen um Wahrheit und Authentizität. Sie sind so sozial, wie sie nur können. Und so ist es, dass sie im nächsten Leben alles das erreichen und bekommen werden worum sie hier schon ringen - es nur halt nicht hinbekommen. All der schicksalhafte Ärger diese Lebens wird im nächsten automatisch ausgeglichen. Die verzweifelt Kinderwunsch-Behandelten bekommen im nächsten Leben all die Kinder die sie sich hier gewünscht haben und ohne große Mühe. Die von ihren Eltern Geschlagenen und Alleingelassenen, werden im nächsten Leben Eltern haben die respektvoll und mit Liebe den aufblühenden Geist des Kindes halten und zärtlich fördern. Die Soldaten und Opfer der Kriege werden im nächsten Leben in Frieden leben. Die ewig scheiternden nach Partnern suchenden, werden dort eine wunderschöne erfüllende Liebesbeziehung führen (vielleicht auch mehrere). Die Sexuell-Frustrierten werden Sex haben ohne Ende, in allen gewünschten Varianten und zu allen gewünschten Tageszeiten und Orten. Auch ganz banale Dinge, wie eine New York Reise werden sich erfüllen ;-))

Die "Religion des umgekehrten Karma" schafft Platz. Sie sagt: "Mach Dir keine Sorgen - das was du brauchst und anstrebst, wirst du am Ende schon bekommen. Alles was du jetzt nicht schaffst und hinbekommst, kannst du dann nachher "Drüben" machen."

Kritiker könnten jetzt einwenden: "Dann braucht man sich ja in diesem Leben gar nicht mehr anzustrengen ein guter Mensch zu sein. Man kann machen, was mann will. 

Ja - stimmt. ;-))

Herzlichen Gruß
Fabian Lenné

Die schwersten Wege

Gegen Ende eines zweijährigen Therapieprozesses, als der Klient immer mehr und stabil "über Wasser" bleiben konnte, rezitiere er spontan dieses wunderbare Gedicht von Hilde Domin:

Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird. Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist, bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags, du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen - und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.

Hilde Domin

 

Hilde Domin, Die schwersten Wege. Aus: dies., Gesammelte Gedichte. © S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1987. Mit freundlicher Genehmigung der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Autonomie und Wahrheit

Der Weg in meine Eigenständigkeit führt an vielen Stellen zu der Feststellung: "Da bin ich anders als mein Partner". Ich kann eine gewisse Zeit lang versuchen diese Unterschiede zu überspielen, aber irgendwann wird meine Sehnsucht nach Gesehen-und- Angenommenwerden, so wie ich wirklich bin, so stark sein, dass ich es wagen muss meinem Partner aufrecht gegenüber zu treten. Wird er mich so lieben können, wie ich bin? 

Etwas mehr wissen wer ich bin
Etwas mehr fühlen, dass ich bin
Etwas mehr Eigenständigkeit
Etwas mehr mir selbst genügen
Etwas mehr Interesse, so angenommen zu werden, wie bin - wie ich werde

Der Unterschied ist ärgerlich oder auch interessant aber er ist kein Grund sich zurück zu ziehen. Im Gegenteil: Wir verlassen die Rollen und Formen und vertiefen unsere Begegnungen.

10 unsensible Hinweise zu Liebe, Streit und Schicksal

Liebe Leserin - lieber Leser,
ich finde meine Hinweise recht rau - andererseits wollte ich Sie Ihnen in ihrer Klarheit nicht vorenthalten. In den anderen Blog-Einträge finden Sie meine weiche, beobachtende und fragende Seite.

  1. Hören Sie einfach auf zu streiten. Nichts kann so wichtig sein, dass Sie sich die Nächte dafür um die Ohren hauen. Schlafen Sie lieber aus und haben Sie Spaß mit Ihren Kindern.
     
  2. Fragen Sie sich ernsthaft, was Sie mit dem Streit erreichen möchten. Reden Sie sich nicht ein, dass es Ihnen tatsächlich ums Rechtbekommen ginge: Sie möchten - wie wir alle - einfach nur von Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner angenommen werden. Sagen Sie ihm (Ihr) das.
     
  3. Wenn Sie sich noch lieben, suchen Sie sich Hilfe. Entwicklung ist wirklich möglich.
     
  4. Wenn Sie nicht mehr wissen ob Sie sich lieben, finden Sie es heraus - mit allen Konsequenzen. Verschwenden Sie Ihre wunderbare Lebens-Zeit nicht zu lang mit Zweifeln oder dem falschen Partner.
     
  5. Wenn Sie ihn/sie nicht mehr lieben, gehen Sie getrennte Wege. Die Kinder werden es Ihnen danken.
     
  6. Gehen Sie auch, wenn Sie sich über lange Zeit viel mehr streiten als lieben. Egal ob sie ihn/sie noch lieben oder meinen das zu tun. Und egal wie sehr Sie finanziell verbandelt seid.
     
  7. Ihre Liebe kann einen Seitensprung überleben - zwei sind schwer - beim dritten Mal ist es mit Ihrem Vertrauen sehr sehr wahrscheinlich vorbei.
     
  8. Nehmen Sie nicht zu viel Rücksicht auf all die vielen kleinen Wenns und Aber in Ihrem Kopf.
     
  9. Wenn Ihr Partner (schicksalhaft) der Richtige ist, werden Sie sowieso zusammen bleiben. Sie können also machen was Sie wollen.
    Wenn er/sie (schicksalhaft) der Falsche ist, werden Sie eh nicht zusammen bleiben. Sie können also machen was Sie wollen.
     
  10. Sie sind ein wunderbarer Mensch und haben das Recht, Ihr Glück in der Liebe zu finden. Verkaufen Sie sich nicht unter Preis.

Herzliche Grüße
Fabian Lenné